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Der Schmerz der Welt oder das Leben in meiner Seifenblase

Ich lebe in meiner heilen Welt. In meiner großen Seifenblase. Mir geht es sehr gut. Ich bin glücklich. Ich bin gesund. Ich habe genug zu essen. Ich habe ein Haus in dem ich wohnen darf, ein Bett, fließend Wasser, schöne Kleidung. Ich sehe die Schönheit des Lebens. Weil sie direkt vor meiner Nase liegt.

Und ganz ehrlich. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es wäre, wenn es mir nicht so gut ginge.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie es wäre, nicht zu wissen, ob ich heute noch etwas zu essen bekomme; nicht zu wissen, ob mein Schlafplatz sicher ist; nicht zu wissen, ob ich Hilfe bekomme, wenn es mir schlecht geht.

Oder aber, wie es wäre unterdrückt zu werden, vergewaltigt zu werden, todkrank zu sein, gelähmt zu sein, psychisch krank zu sein, Selbstmordgedanken zu haben, einen Krieg miterleben zu müssen.

Ich kann es mir nicht vorstellen. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Ich bin dankbar, dass ich in meiner kleinen, heilen Seifenblase leben darf.

Und trotzdem sehe ich den Schmerz der Welt.

Ich spüre ihn vielleicht nicht körperlich. Aber wenn ich mich für ihn öffne spüre ich ihn in meinem Herzen.

Ich spüre, wie die Welt weint. Über jeden einzelnen Menschen, der nicht seine Menschlichkeit lebt. Über all das Böse, das sich verbreitet hat. Über all die Unvernunft die in den Menschen herrscht. Über all die Machtgier, und den Fanatismus der die Menschen beherrscht. Über all das weint die Welt. Weil all das die Erde verändert hat. Dadurch wurde sie zu einem Ort, als welchen sie nicht gedacht war. Durch all das entstanden die Probleme dieser Welt. Und sie werden ja nicht weniger. Sind wir mal ehrlich. Es gibt genug erschreckende Dinge, welche hier auf dieser Erde passieren, welche wir Menschen unser Zuhause nennen. Angefangen über den respektlosen Umgang mit unseren Mitmenschen, Psychoterror, Burn-Outs, psychischen Krankheiten, dann die Vergiftung unseres eigenen Körpers durch Fast Food, unnatürliche Lebensweisen, totes, unreines Trinkwasser, dann Sexismus, bis hin zur Verfolgung von Menschen, Ausrottung ganzer Volkstämme, Folterungen, grausames Abschlachten von unschuldigen Menschen, Kriege mit den schrecklichsten Waffen, aufgehört bei der Zerstörung unserer Umwelt, Verseuchung durch Plastik, Pestizide, Abgase, Abholzung von Wäldern, Bienensterben, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, und der Ausbeutung von Tieren und der Natur.

Ist das nicht ein Armutszeugnis? Ist das nicht mehr als ein Armutszeugnis? Ist das nicht peinlich? Ist das nicht schrecklich? Ist das nicht wirklich menschenunwürdig? Haben wir Menschen, die höchste aller Schöpfungen, nichts besseres vorzuweisen? Haben wir tatsächlich in den tausenden Jahren, in denen wir schon auf dieser Erde leben wirklich nichts besseres hinbekommen? Sind wir wirklich so tief gesunken? So tief in die Zerstörung?

Was ich aber noch viel trauriger finde ist, dass wir immer wieder hören, wie schlecht es manchen Menschen geht, wie schlecht es den Tieren geht, wie schlecht es der Natur geht, aber wir doch nichts ändern. Wir reden darüber, wir lachen darüber, wir lesen darüber, wir diskutieren darüber, vielleicht weinen wir auch darüber, aber ändern wir auch etwas? Setzen wir unsere ganze Kraft dafür ein, all das Übel etwas weniger werden zu lassen?

Ich glaube schon, dass es Menschen gibt, die wirklich etwas verändern. Und ich glaube auch daran, dass es noch nicht zu spät ist. Dass unsere Welt noch nicht verloren ist. Dass wir noch Hoffnung haben. Aber dafür müssen es noch mehr Menschen werden, die etwas ändern. Die sich selbst ändern. Auch ich möchte mich ändern.

Und da kommt meine Seifenblase wieder ins Spiel.

Ich habe mir die Frage gestellt, ob es gut ist in einer solchen Seifenblase zu leben. Mit meinem Lehrer hatte ich vor kurzem eine Diskussion, warum ich keine Nachrichten anschaue und Zeitung lese. Er sagte, dadurch würde ich abgeschottet in meiner eigenen Welt leben, nichts mitbekommen, was auf der Erde so los ist und allgemein sehr unwissend bleiben. Es kann schon sein, dass er damit Recht hat. Ich werde wohl nicht mitbekommen, wenn ein neuer Minister ernannt wird, in welcher großen Firma wieder irgendein Skandal aufgedeckt wurde, über was sich die Staatsoberhäupter der Länder schon wieder streiten, welche Gewerkschaften zum Streik aufrufen, was die neuesten Wahlergebnisse sind, welche blöde Aussage schon wieder irgendein Promi gemacht hat oder wie viele Menschen nach den neuesten Statistiken arbeitslos sind. All das bekomme ich nicht mit. Aber das interessiert mich ganz ehrlich auch nicht. Ist es nicht sowieso jeden Tag das gleiche? Geht es nicht immer um das selbe? Sind die Menschen nicht einfach immer unzufrieden, mit dem Job, den sie machen, mit der Bezahlung die sie bekommen, echauffiert sich nicht immer irgendwer über die Ungerechtigkeit, die in der Gesellschaft herrscht, wird nicht immer irgendwer diskriminiert, ausgenutzt, unfair behandelt. Ich sehe keinen Sinn darin, mir all diese im Grunde sinnlosen Informationen tagtäglich zuzuführen, nur um mit irgendjemandem ein unaussagekräftiges und gestelltes Gespräch zu führen, durchtränkt mit allgemeinen Glaubensmustern und als Wahrheit getarnten Lügen. Das ist es einfach nicht, was ich möchte. Darum ist es mir in diesem Fall gerade recht, wenn ich in meiner Seifenblase bleibe und keine Zeitung lese. Und ganz ehrlich, die wirklich wichtigen Nachrichten werde ich immer irgendwie mitbekommen. Denn die liegen dann in der Luft.

Als Grund für meine „Nachrichtenverweigerung“ habe ich meinem Lehrer die Tatsache genannt, dass mein Schmerz und Unverständnis, welcher durch die Nachrichten ausgelöst werden würde, erst recht nichts an der aktuellen Situation ändern würde. Denn was bringt es denn der Welt, wenn eine weitere Seele gefangen wird in diesem Strudel aus negativen Energien, aus gestellten Unwahrheiten, aus Oberflächlichkeiten, was bringt es der Welt, wenn ich auch noch mitmache? Wenn ich mich auch noch gefangen nehme? Wenn ich auch noch der Illusion verfalle, dadurch würde sich etwas ändern. In der Schule reden wir jede Woche über die neuesten News in der Politik und der ganzen Welt. Mein Lehrer redet sarkastisch darüber, drängt uns Schüler manipulativ, wenn auch unbewusst, seine persönliche Meinung auf. Für Meinungsaustausch, geschweige denn Diskussionen ist kein Platz. Und fängt man dann mal eine Diskussion an, wird man in den darauffolgenden Stunden noch lächerlich gemacht. Ganz ehrlich, ich habe kein Bock mehr auf euer Affentheater. Ich habe kein Bock mehr auf euer Schöngerede. Würde sich denn dadurch irgendetwas ändern, wäre ich ja zufrieden. Würden denn auch Lösungsvorschläge gesucht werden und dann vor allem umgesetzt, wäre ich ja still. Würde ich, oder auch nur ein Mitschüler durch diese Klassengespräche etwas mehr Ansporn, Ideen, Mut und Möglichkeiten an die Hand bekommen, diese beredeten Probleme ein Stück weit zu lösen, wäre ich ja glücklich. Aber solange all das leere Gefasel weiter anhält, werde ich nicht mehr mitmachen. Solange werde ich all dem keine Energie mehr geben.

Denn meine Energie kann ich anders gebrauchen. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es gut ist, dass ich in meiner eigenen heilen Blase lebe. Denn nur in dieser Blase kann ich meine Energien kontrollieren. Nur hier kann ich sie positiv gestalten. Nur, wenn ich hier bin, in meinem Leben, in meiner Seifenblase, kann ich entscheiden, was mich beeinflusst, und was nicht. Bewusster Konsum, das spielt heutzutage auch auf YouTube, Instagram und andern sozialen Plattformen eine große Rolle. Nur, wenn ich mich bewusst dafür entscheide, all die negativen Gefühle dieser Welt nicht mehr in mein Leben aufzunehmen, kann ich wirklich positiv leben. Nur, wenn ich mich bewusst dafür entscheide, das Gute zu sehen, kann das Gute in mir größer werden. Und sobald ich voller positiver Energie erstrahle, sobald ich das Gute in mir mehre, sobald wird das auch Auswirkungen auf meine Umwelt haben. Und wenn wir uns jetzt vorstellen, dass mehr Menschen, dass viele Menschen, dass alle Menschen beginnen, in ihren kleinen Seifenblasen Liebe zu erschaffen, Positivität zu erschaffen, Freude zu erschaffen, dann können wir uns wohl schon vorstellen, inwiefern sich diese Welt ändern würde. Sie würde dann nämlich aus sehr vielen leuchtenden Seifenblasen bestehen, welche das Dunkle mehr und mehr zurückdrängen und auflösen würden. Und vielleicht, ganz vielleicht, bräuchten wir diese Blasen dann auch nicht mehr.

Darum bin ich dankbar dafür, dass ich in meiner heilen Seifenblase leben darf und dadurch ganz viel Heilung der Welt schenke.

Und immer, wenn ich die Welt weinen höre, gebe ich mein Bestes, um sie zu trösten.

 

 

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