Allgemein,  Gedanken

Die Natur lässt deine innere Natur erscheinen

In der Natur sind wir wir selbst.

Dort ist es egal, wer wir sein müssen, was wir machen müssen, wie wir aussehen müssen, wie wir uns verhalten müssen.

In der Natur sind wir einfach nur.

Genau so, wie wir eben sind.

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Ich habe oft das Gefühl, nicht so zu sein, wie ich eigentlich bin.

Ich habe mir die verschiedensten Rollen erschaffen, um einen Teil in mir vor irgendetwas zu schützen. Diese Rollen zwingen mich dazu mich immer auf eine bestimmte Art und Weise zu zeigen. In der Schule bin ich eine Person, die in gewissen Fächern einfach schlecht ist und in anderen gut. Dort bin ich eine Person, die eher still ist, die sich Konversationen von anderen lieber anhört, anstatt sich selbst zu beteiligen. Dort bin ich eine Person, die eher verklemmt ist, wenn es um Jungs, Party oder Alkohol geht. Im Sport bin ich eine Person, die alles dafür tut, kein Training ausfallen zu lassen, lieber nicht so viel redet, der Training mehr Spaß macht als Wettkampf, die immer alles geben muss. In meiner Familie bin ich eine Person, die sich Harmonie wünscht, sich kaum beschwert, und allen helfen möchte.

Ich finde all diese Rollen nicht grundsätzlich schlecht. Sie helfen mir mich in einem Umfeld zurechtzufinden, sie ermöglichen mir eine Identität zu haben. Und ich selbst habe mir diese Rollen ja auch erschaffen. Ich war es ja, die auf diese Art und Weise gehandelt hat, die sich so gezeigt hat, die ein solches Bild erschaffen hat. Und darum ist diese Rolle ja auch ein Teil von mir. Ich habe mich nicht verstellt als diese Rollen erschaffen wurden. Ich war, wie ich in diesen Momenten eben war. Doch vielleicht war ich gehemmt durch Ängste, nicht genug zu sein, verletzt zu werden, allen gefallen zu müssen. Vielleicht fühle ich mich deswegen jetzt nicht mehr richtig in meinen Rollen. Weil ich jetzt weniger Ängste habe, weil ich jetzt eine andere Person bin. Doch jetzt bin ich gefangen. In meinen alten Rollen, die mich zwingen mich so zu präsentieren, wie ich damals war.

Aber eigentlich ist dieser Zwang komplett absurd.

Eigentlich entsteht der Zwang doch wieder nur aus einer Angst heraus. Aus der Angst heraus, nicht mehr hineinzupassen, nicht mehr geliebt zu werden, falsch zu sein, oder sich zu sehr verändert zu haben. Vielleicht auch aus der Angst zu zeigen, wer man wirklich ist. Aber es ist auch wirklich schwierig. Wenn wir Jahre lang in einer bestimmten Rolle gelebt haben, können wir doch nicht plötzlich anders sein? Wenn wir Jahre lang ein bestimmtes Ideal vertreten haben, können wir uns doch nicht plötzlich gegensätzlich verhalten? Wenn wir Jahre lang in Angst gelebt haben, können wir uns doch nicht plötzlich für die Liebe entscheiden? Und woher wissen wir überhaupt, wer wir wirklich sind? Woher wissen wir, dass wir nicht unsere Rollen sind?  Wie können wir sicher sein, dass wir uns der Welt so zeigen, wie wir wirklich sind? Mir hat dabei die Natur geholfen.

Ich war knapp eine Woche mit meiner Familie im Urlaub in der Natur. Und ich habe mich so anders gefühlt. So anders, als ich es gewohnt war. Es hat sich so angefühlt, als bräuchte ich meine Rollen einfach nicht mehr. Als bräuchte ich sie nicht mehr um jemand zu sein. Als müsste ich nicht mehr sein, wie ich schon immer war, als dürfte ich in jedem Moment neu entscheiden, wie ich sein möchte. Es hat sich angefühlt, als wäre ich nicht mehr auf dieser Welt um irgendjemandem zu gefallen, um irgendetwas zu bewerten, um irgendeiner Idee zu entsprechen. Ich war einfach nur noch am Leben, um ich selbst zu sein. Wahrscheinlich trug auch ein großer Teil zu diesem Gefühl bei, dass ich die ganze Woche nicht am Handy war.

In der Natur habe ich gelernt, dass es nicht um die Gefühle anderer geht, sondern um meine eigenen Gefühle.

Es geht nicht darum, wie andere sich in meiner Gegenwart fühlen, sondern wie ich mich in mir fühle. Und wenn ich mich voller Liebe, Freude, Dankbarkeit, Fülle, Begeisterung fühle, ja wenn ich mich fühle als wäre ich einfach nur ich selbst, dann spüren das auch alle Menschen um mich herum. Aber der Weg geht über mich und meine Gefühle.

Noch etwas, das ich in der handyfreien Zeit in der Natur gemerkt habe ist, dass meine Gedanken so leer waren. Ich war es überhaupt nicht gewohnt, dass meine Gedanken mal nicht um mögliche Probleme, Unzufriedenheiten, Bewertungen, Aufmunterungen, Glaubenssätzen kreisten. Egal, ob die Gedanken sonst eher negativ oder sogar positiv gewesen waren, dort waren sie einfach weg. Und das war herrlich. Denn das half mir noch mehr bei mir selbst zu bleiben und nichts zu bewerten. Das half mir noch mehr zu erkennen, wie oft ich nur deswegen so handle, weil es mir meine Rolle so vorschreibt.

Jetzt bin ich wieder hier. Und ich spüre, wie auch meine Rollen wieder zurück kehren. Ich spüre, wie ich wieder gefangen genommen werde, wie ich wieder sein muss wie ich war. Wie ich wieder anderen gefallen möchte.

Aber jetzt erkenne ich, dass meine Rollen nur in meinem Kopf existieren.

Ich selbst habe meine Rollen erschaffen. Ich selbst kann sie wieder zerstören und neue erschaffen. Ich selbst kann die Rolle einer Person erschaffen, die wandelbar ist. Ich selbst kann entscheiden, dass ich in jedem Moment eine andere Person sein kann, dass ich immer anders sein kann. Dabei passiert in diesem Moment genau das Gegenteil. Denn endlich bin ich nicht mehr verschiedenen Rollen, endlich bin ich nur noch eines.

Ich selbst. In jedem Moment anders. Und doch immer gleich.

 

Bist du auch noch in verschiedenen Rollen gefangen?

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Und hier kannst lesen, welche direkte Folge mein Ausstieg aus meinen Rollen mit sich bringt.

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