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Hypnose – der Blick in die Seele

Dann lass uns mal über Hypnose sprechen.

Also über die Hypnosetherapie. Mein Lieblingsthema. Ich könnte stundenlang darüber sprechen. Einfach, weil ich vollkommen davon überzeugt bin, lebensverändernde Erfahrungen gemacht habe und es so starke Gefühle in mir ausgelöst hat, wie bisher nichts anderes.

Ich bin hier nicht der Wissenschaftler und kann genau erklären, was in dem Zustand der Trance genau passiert, aber ich kann von meinen eigenen Erfahrungen erzählen.

Aber hier trotzdem eine kurze Erklärung, fall’s du dir nichts unter dem Zustand der Hypnose vorstellen kannst oder falsche Vorstellungen im Kopf hast:

Der Begriff Hypnose kommt aus dem Griechischen hypnos, was Schlaf bedeutet. Dabei ist Hypnose überhaupt kein Schlaf, und auch kein schlafähnlicher Zustand, sondern wird als dritte Bewusstseinsebene bezeichnet (neben dem Schlaf und dem Wachsein). Den Unterschied erkennt man, wenn man weiß, was während der Hypnose im Körper geschieht. Während des hypnotischen Zustandes erfolgt die Versorgung der Muskeln beispielsweise nicht mehr über das Nervensystem, sondern über den Sympathikus, darum sind auch ermüdungsfreie Muskelhaltungen möglich (wie sie gerne in der Showhypnose vorgeführt werden). Außerdem verdoppelt sich in Hypnose die Reaktionszeit, es kommt zu einer Gefäßerweiterung, einer Erhöhung der Hauttemperatur und einem Abfall der Körperkerntemperatur. Alle Sinnesfunktionen der Außenwahrnehmung sind deutlich herabgesetzt, die Wahrnehmung des Hypnotisierten ist weitgehend auf den Hypnosetherapeuten ausgerichtet. Das Besondere an der Hypnose ist, dass das Bewusstsein des Hypnotisierten um die unbewussten Bereiche seiner Seele erweitert ist. So ist es möglich, Ursachen für Krankheiten, Süchte oder Ängste zu finden und sie zu aufzulösen, die sehr oft (wenn nicht immer) auf der seelischen unbewussten Ebene liegen.

Das Vorurteil, dass ein hypnotisierter Mensch keine Kontrolle mehr über seinen Geist hat, willenlos ist oder gar gezwungen wird unbeabsichtigt seine „Geheimnisse zu beichten“ möchte ich hier ein für alle mal aus der Welt schaffen. Weil es einfach absolut nicht wahr ist. Denn da der Hypnotisierte ja nicht bewusstlos ist, wie im Schlaf, weiß er ständig, was er sagt und tut und kann das auch selbst beeinflussen und darüber entscheiden. Genau so kann er sich jederzeit selbstständig aus dem Entspannungszustand lösen und aus der Hypnose aufwachen. Auch danach erinnert er sich detailliert an alles in der Hypnose geschehene. Die Hypnose ermöglicht aber, dass die Erinnerung nach und nach auch Vergessenes und Verdrängtes freigibt, was dann eben Zusammenhänge und Ursachen von Problemen, die im Unterbewusstsein lagen, klar macht. Man muss auch keine Angst davor haben nicht wieder aus der Hypnose aufzuwachen. Denn selbst wenn der Therapeut, aus welchen Gründen auch immer (sucht euch bitte einen professionellen!), nicht aus der Hypnose zurückführt, wacht man mit Sicherheit wieder auf. Denn wenn die Hypnose für längere Zeit, etwa zehn bis zwanzig Minuten unterbrochen wird, geht der Hypnotisierte automatisch vom hypnotischen Zustand in den Schlaf über, aus dem er dann ganz natürlich von selbst wieder erwacht, oder die Hypnose löst sich von selbst in den Wachzustand auf. Ok, ein Vorurteil habe ich noch für euch. Nämlich, dass es durch Hypnose zu einer unerwünschten Charakterveränderung kommen kann. Da sage ich nur, dass die Hypnose die Entwicklung des eigentlichen, ursprünglichen Wesens des Klienten fördert, und lediglich fremde und verformende Einflüsse erkennbar macht und hilft sie zu überwinden und aufzulösen. Bisher unterdrückte Persönlichkeitsanteile werden damit also gefördert, mit dem Ziel eine gesunde Entwicklung zu unterstützen. Darum kann man schon sagen, dass es zu einer Veränderung kommt, die führt aber zum echten Selbst, und betrifft natürlich nur die vom Hypnotisierten gewünschten Inhalte.

Wenn ihr noch irgendwelche Fragen oder Ängste bezüglich Hypnose habt, immer her damit. Vielleicht kann ich euch ja weiterhelfen.

(Alle Informationen die ich gerade genannt habe stammen aus dem Buch „Das große Handbuch der Hypnose“ von Werner J. Meinhold)

 

 

Jetzt haben wir aber über genug trockene Theorie gesprochen, kommen wir zur Praxis. Da erzähle ich euch einfach von meinen Erfahrungen, denn mehr kann ich gar nicht machen. Bis jetzt war ich zwei Mal in Hypnose. Das erste mal vor drei Jahren, und das zweite mal vor einem dreiviertel Jahr. Beide Erfahrungen waren auf ihre Art und Weise unglaublich schön und lebensverändernd, besonders die erste. Davon möchte ich euch gerne erzählen.

Zuerst aber eine kurze Vorgeschichte. VonSommer 2011 bis zum 16. Juli 2015 (da war ich 11 bis 15 Jahre alt) hatte ich Rückenschmerzen. Kleiner Spoiler: am 16. Juli war die Hypnosesitzung. Die ganzen vier Jahre war nie wirklich klar, weshalb ich so Schmerzen hatte. Ich hatte eine Zeit lang ein Korsett, habe Antibiotika bekommen, hatte Sportverbot, musste spezielle Rückenübungen machen, war beim Physiotherapeut und Osteopath, musste ins MRT, und habe heftige Schmerzspritzen bekommen. Aber nichts hat wirklich geholfen, sondern hat es sogar noch schlimmer gemacht. Es gab wirklich schlimme Phasen, in denen ich in der Schule vor Schmerzen nicht mehr auf dem Stuhl sitzen konnte und regelmäßig in Tränen ausgebrochen bin. Das war eine Zeit, in der mich der Schmerz definiert hat. Ich war das Mädchen mit den Rückenschmerzen. Ich habe dem Schmerz erlaubt vollkommen zu mir zu werden. Ich weiß nicht, wie viel mehr ich damals gewesen bin, als mein Rückenschmerz. Aber auch, wenn ich damals nie daran geglaubt habe, dass diese endlos vorkommende Zeit jemals enden könnte, bin ich heute dankbar dafür, dass ich diese Zeit durchstehen musste. Und dass es Menschen gab, die mir dabei geholfen haben. Denen habe ich glaube ich noch nie wirklich dafür gedankt. Also danke Papa, dass du immer mit mir gelitten hast (auch, wenn das vielleicht gar nicht so gut war) und mit mir zu jedem Scheiß Arzt (sorry) gegangen bist. Und danke Meike, dass du so oft mein Schweigen und meine negative Laune ausgehalten hast, und immer versucht hast mich zum Lachen zu bringen. Danke. Heute ist alles anders als damals, und ich kenne die Person die ich damals war schon gar nicht mehr wirklich.

Jedenfalls war ich dann zum Höhepunkt meiner Leidensgeschichte hin (hört sich richtig dramatisch an) beim Hypnosetherapeuten. Irgendwie ist jemand auf einen Zeitungsartikel über die Hypnosetherapie gestoßen, und weil wir sowieso schon alles ausprobiert haben, konnte das auch nicht mehr schaden. Ich habe ehrlich gesagt nicht daran geglaubt und keine Hoffnung gehabt, dass es diesmal helfen könnte, aber ich war offen für das Thema.

Ich war da also in der Praxis eines Therapeuten (Ich verlinke euch hier mal seine Internetseite). Schön schnuckelig, überhaupt nicht aufgesetzt. Wir haben über mein Problem gesprochen, über meine Schmerzen, und er hat mir etwas über Hypnose erzählt. Er hat mit mir kleine Übungen gemacht, durch die ich das Vertrauen zu ihm und zur Hypnose aufbauen konnte. Dann durfte ich auf dem sehr bequemen Liegesessel Platz nehmen. Als er mich dann in den Zustand geführt hat, was erstaunlich schnell ging und sich erstaunlich angenehm angefühlt hat, haben wir dann eben angefangen mein Unterbewusstsein zu durchforsten. Das hat eben so funktioniert, dass er mir immer Fragen gestellt hat, auf die ich dann geantwortet habe. Dabei hat er besonders nach Gefühlen gefragt, die ich in bestimmten Situationen gefühlt habe. Oft konnte ich nur kurze Antworten geben, anhand denen er immer weiter gefragt hat, und wir so immer tiefer getaucht sind. Ich habe keine Ahnung, ob man das irgendwie verstehen kann, aber ich finde es sehr schwierig zu beschreiben. Was aber bestimmt interessant ist, ist welches Gefühl ich bei dem Ganzen hatte. Es war für mich so, dass ich oft erst gar nicht wusste, was ich überhaupt antworten soll. Aber manchmal wusste ich es auch sofort. Da man in Hypnose nicht vom Verstand gesteuert ist kommt die Antwort eben immer vom Unterbewusstsein. Und zwar in Form von inneren Bildern, Emotionen, Symbolen und Gefühlen. Es ging mir auch so, dass ich irgendwie gespürt habe, was auf diese Frage jetzt die richtige Antwort ist, aber ich habe mich nicht sofort getraut es auszusprechen. Denn manche Dinge, die da zum Vorschein kommen können echt hart sein. Was besonders meine erste Hypnosesitzung geprägt hat, waren meine Tränen. Ab einem bestimmtem Punkt war ich nur noch am Weinen. Man kann es sich so vorstellen, dass ich da mit geschlossenen Augen auf einem Sessel liege und mir die ganze Zeit Tränen aus den Augen fließen und meine Nase läuft. Aber ich habe dann auch Taschentücher bekommen und genug Zeit um den Tränen Raum zu geben. Und besonders Tränen sind für mich ein Zeichen, dass endlich eine tiefe Verletzung berührt und im besten Fall auch geheilt wird.

Ich möchte euch aber gerne auch erzählen, was denn jetzt der Grund für meine Rückenschmerzen war, und wie genau das durch die Hypnose zum Vorschein kam. Und zwar war der Grund für meinen Schmerz das Gefühl der Einsamkeit. Ich habe wirklich davor nie gedacht, dass ich mich wirklich einsam fühle. Aber als ich es dann in der Hypnose erfahren habe, dass das der Grund für meinen Schmerz ist, war es für mich vollkommen logisch. Hundertprozentig erinnere ich mich nicht mehr an den genauen Verlauf der Hypnose, aber ich glaube, dass wir durch Fragen nach Situationen in denen sich der Schmerz verschlimmert hat Situationen erkannt haben, in denen ich mich einsam gefühlt habe. Ich habe meinen Schmerz als einen grünen Ball gesehen. Und das faszinierendste war für mich, dass ich ihn in Hypnose vollkommen positiv gesehen habe. Denn für mich war der Schmerz tief im Innern ein Freund gewesen. Der Freund, der immer für mich da war, wenn ich mich einsam gefühlt habe. Ich habe mir quasi selber jemand erschaffen, der mir nicht von der Seite weicht. Es hat einfach alles plötzlich Sinn gemacht. Und das heilvollste für mich war, dass ich mich bei meinem Schmerz bedanken konnte. Denn er wollte mir nichts böses. Ich konnte mich bei ihm bedanken und ihm erlauben, mich jetzt zu verlassen. Weil ich mich dazu entschieden habe, ihn nicht mehr zu brauchen. Ich konnte ihm erklären, dass es ein Trugschluss war, dass ich einsam bin, ich konnte ihm erklären, dass ich sehr viele Menschen habe, die mich lieben, und die mich nicht einsam sein lassen. Und mein Schmerz hat es verstanden und ist gegangen. Als ich dann aus der Hypnose wieder aufgewacht bin war es wirklich so, als wäre ich als neuer Mensch erwacht. Und ich hatte keine Rückenschmerzen mehr. Ein paar Wochen hatte ich zwar noch etwas Muskelschmerzen im Rücken, aber nur, weil mein Rücken vier Jahre lang unter Spannung stand, die sich auch erst auflösen musste.

Und ich sage euch, das Gefühl, dass man nach der Hypnose hat ist einfach nur verrückt. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber es ist ein absolut berauschendes Glücksgefühl. Besonders bei meiner zweiten Hypnosesitzung war es das. Da hielt es mehrere Wochen an, und war wirklich nur berauschend. Ich habe mich gefühlt, als würde sich das gesamte Universum in mir vereinen, als könnte ich wirklich alles schaffen, was ich mir nur vorstellen kann, und da konnte ich mir wirklich alles vorstellen. Seit dieser Zeit bin ich davon überzeugt, dass wir Menschen dafür geboren wurden um solche Gefühle zu spüren, so tiefgründige Gefühle, dass wir nicht glauben können, dass sie gerade wirklich real sind. Ich glaube daran, dass es möglich ist, ein so viel tieferes Leben zu leben, als es in den meisten Leben der Fall ist. Und ich bin auf der Suche nach einem solchen Leben. Und ein Weg, wenn nicht der einzige Weg, dorthin führt über unsere Seele. Das hat mir meine Hypnoseerfahrung gezeigt. Es befindet sich nun mal aller Ursprung in uns drin. Jeder Grund, jede Antwort und jede Frage. Und wie können wir wirklich wahrhaftig leben, wenn wir unsere Seele nicht kennen? Ich weiß noch so wenig über mein Innerstes, dass es mich wirklich traurig macht. Und gleichzeitig ist da so eine unfassbare Neugier und Faszination da für die unendlichen Weiten meines Inneren.

Um jetzt aber nochmal kurz die Grundaussage des Textes zusammenzufassen: macht selbst die Erfahrung und geht zur Hypnosetherapie! Selbst wenn ihr denkt, ihr habt eigentlich gar kein wirkliches Problem, dann macht es trotzdem und plaudert ein bisschen mit eurer Seele. Es ist eine Erfahrung, die ich wirklich jedem Menschen wünsche.

Und was ich auch noch sagen möchte: unterschätzt eure Seele nicht. Es liegt wirklich alles in ihr.

Teilt sehr gerne eure Gedanken, Erfahrungen und Fragen mit mir. Hier in den Kommentaren, oder auf Instagram.

 

Ich wünsche euch einen wundervollen Tag,

eure Marleen

 

 

 

 

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