Gedanken

Ich war nicht im Kindergarten und warum ich jetzt alleine bin

Als ich im Kindergartenalter war, war ich nicht im Kindergarten.

Heute bin ich 18 Jahre alt, und geh wieder für ein Jahr in den Kindergarten.

Weil ich dort ein freiwilliges Jahr mache.

Und jetzt kamen mir ein paar Gedanken dazu, wie meine kindergartenfreie Kindheit beeinflusst hat, wie ich heute geworden bin.

Erst mal einen kurzen Hintergrund.

Meine Eltern haben sich dazu entschieden keines ihrer Kinder in den Kindergarten zu stecken. Weil wir sechs Kinder sind, war da auch immer genug zu Hause los und wir hatte eigentlich immer jemanden zum Spielen. Jahr für Jahr entschwanden dann vormittags immer mehr Kinder in der Schule. Jetzt ist noch einer zuhause übrig. Ich glaube der Hauptgrund, weshalb sich meine Eltern gegen den Kindergarten entschlossen haben ist der, dass sie gerne selber die Erziehung ihrer Kinder zu 100% übernehmen wollten. Sie wollten uns nicht vormittags „abschieben“ und ihre Kinder in fremde Hände und fremde Einflüsse geben, erst recht nicht in staatliche Hände. Denn wir wissen ja alle, dass besonders kleine Kinder noch sehr manipulierbar sind und alles glauben, was man ihnen sagt und beibringt. Darum wollten unsere Eltern die Möglichkeit haben uns alles selbst beizubringen. Also Mama und Papa, falls es da noch einen anderen wichtigen Grund gibt, weshalb ich nicht im Kindergarten war, könnt ihr mir es gerne sagen 🙂

Und nur damit das klar ist, ich bin sehr dankbar für die Entscheidung meiner Eltern.

Ich weiß, sie haben alles für mich und meine Geschwister gegeben und tun das auch heute noch. Sie wollten immer nur die besten Entscheidungen für uns treffen. Und sie haben uns auch wirklich beschützt. Sie haben mir Dinge beigebracht und mir die Möglichkeit geschenkt Gedanken zu entwickeln, die einfach weiter denken. Die mehr hinterfragen und nicht einfach alles genau so annehmen, wie es eben zu sein hat. Und mir ist wirklich sehr viel erspart geblieben.

Ich weiß es nicht, was Kindern in einem normalen staatlichen Kindergarten so beigebracht wird, und sei es nur unbewusst. Ich weiß nicht, was für eine Energie dort herrscht, und welche Philosophien dort vertreten werden. Ich weiß es nicht, denn ich war noch nie in einem solchen Kindergarten. Und ich unterstelle keinem Erzieher, dass er irgendetwas Böses den Kindern will. Aber irgendwie ist mein Bild von solchen Kindergärten eher negativ als positiv, vor allem wenn Eltern an einem bewussten und natürlichem Leben interessiert sind. Es kann aber auch einfach nur daran liegen, dass es meine Eltern mir so beigebracht haben, indem sie mich nicht in den Kindergarten geschickt haben.

Ich weiß also, dass ich eine andere Person wäre, wenn ich im Kindergarten gewesen wäre.

Ich hätte wahrscheinlich andere Werte, hätte viele Erfahrungen nicht gemacht, hätte mich viel mehr angepasst, hätte keine so enge Bindung zu meinen Geschwistern und zu meinen Eltern, und wäre einfach viel mehr so wie alle anderen.

Und da kommt jetzt die Problematik, die ich beobachten konnte.

Ich pass irgendwie zu so vielen Menschen nicht richtig dazu. Ich würde schon sagen, dass ich über eine Sozialkompetenz verfüge, aber irgendwie habe ich trotzdem das Gefühl, dass ich mich nicht vollständig in Gruppen integrieren kann. Und vielleicht kann es daran liegen, dass ich das im Kindergarten nicht gelernt habe. Keine Ahnung, vielleicht bin ich auch einfach so, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es da einen Zusammenhang gibt. Denn im Kindergarten lernt man sich anzupassen. Man erkennt auf welche Art und Weise andere Kinder denken und handeln, und weil man mitspielen möchte und dazu gehören will, passt man sich ein Stück weit an, und lernt, was man tun muss, um eben mitspielen zu dürfen. Genau das beobachte ich nämlich in meinem freiwilligen Jahr im Waldkindergarten. Und vielleicht habe ich das einfach nicht gelernt. Das mag vielleicht nicht grundsätzlich schlecht sein, und wahrscheinlich überwiegen auch die Vorteile, die ich durch keinen Kindergartenbesuch erfahren konnte, aber irgendwas habe ich damals verpasst zu lernen.

Wie gesagt, es kann auch einfach an meinem Charakter liegen, aber mir fällt es schwer so zu sein wie andere. Das hört sich jetzt vielleicht auch gut an, denn im Endeffekt sollte man immer so sein, wie man selbst ist, aber man muss immer auch ein Stück so sein, wie die Gruppe, in der man sich befindet. Man muss sich immer auch an die Gruppe anpassen, sonst kann man nicht dazu gehören. Und wenn man keine Gruppe hat, zu der man wirklich dazugehört, fühlt man sich schnell einsam. So geht es mir nämlich oft. Wenn ich daheim in meiner Familie bin fühle ich mich niemals einsam, denn ich weiß genau, dass ich dazu gehöre. Ansonsten gehöre ich aber keiner Gruppe richtig an. Im Sport trainiere ich zwar in einer Gruppe, beteilige mich aber kaum an den Gesprächen, und außersportlich fühle ich mich aus der Gruppe sehr ausgeschlossen. Auch in der Schule war es so, dass ich zwar schon Freunde hatte, mit denen ich sogar gesprochen habe 😉 , aber trotzdem war ich nie richtig integriert und kaum außerhalb der Schule mit ihnen unterwegs. Vielleicht hört sich das jetzt bisschen traurig an. Und manchmal frage ich mich auch wirklich, was denn mit mir nicht stimmt. Ob ich einfach zu uncool bin, in der Gruppe einfach keinen Unterschied mache, oder eben einfach nicht gelernt habe, wie man zu einer Gruppe dazugehört. Manchmal kränkt mich das Gefühl schon, irgendwie alleine zu sein. Aber so im Ganzen habe ich mich nach und nach damit abgefunden. Und ich weiß, dass es immer Menschen geben wird, die mich lieben. Und ich habe es angenommen, dass ich eben so bin.

Und wer weiß, vielleicht finde ich irgendwann die richtige Gruppe, an die ich mich so wenig anpassen muss, dass es mir leicht fällt ein Teil von ihr zu werden, weil sie einfach ist wie ich.

Ich habe keine Ahnung, ob meine Zusammenhänge irgendeinen Sinn ergeben, aber ich danke dir, dass du meine Gedanken heute gelesen hast. Vielleicht haben sie dich irgendwie weitergebracht. Würdest du deine Kinder in den Kindergarten stecken? Ich würde sie in einem Waldkindergarten spielen lassen!

Kinder sind großartig!

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