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Stoffbinden nähen

Oui, lang ist’s her. Jetzt wird aber wieder voll durchgestartet 🙂

Denn der Donnerstag ist ab jetzt der #AndersMachTag, zumindest auf Instagram. Ein paar Themen schaffen es bestimmt auch auf den Blog. Dieses zum Beispiel. Heute geht es nämlich um die weibliche Monatshygiene. Männlichen Lesern ist hiermit erlaubt zum nächsten Beitrag zu springen, dürfen aber natürlich auch gerne bleiben, wenn es sie interessiert, wie und vor allem warum man sich waschbare Binden näht.

Reden wir erst einmal über das Warum.

Da ist das Stichwort wohl die Nachhaltigkeit. Ist ja irgendwie klar. Denn Binden und Tampons machen Müll. Wie jede Frau weiß, sehr viel Müll. Schätzungsweise werden im Jahr rund 45 Milliarden Tampons und Binden weggeschmissen (laut hier). Wenn man sich bewusst macht, wie viel Müll das ist, und dann auch noch bereit ist, sich für Neues zu öffnen, dann merkt man, dass es an einem selbst liegt, diese Zahl zu minimieren. Und vor allem in erster Linie Dir gut tut. Denn, dass wiederverwendbare Produkte für die Umwelt besser sind, als Wegwerfprodukte, das ist ja jedem klar. Was aber leider die wenigsten Frauen wissen ist, dass die üblichen Binden, und vor allem Tampons sehr ungesund sind. Zum Einen durch die genutzten Bleichmittel (in verschiedenen Tamponmarken wurden Chemikalien wie das krebserregende Formaldehyd nachgewiesen), aber auch durch die Art und Weise des Baumwollanbaus. Dort sind nämlich Pestizide, und unter Umständen auch genmanipulierte Saaten im Spiel, was im Endeffekt dann im weiblichen Körper landet und den Kreis zur Umwelt wieder schließt. Wer sich genauer mit der Auswirkung von Tampons und Binden auf den Körper und die Umwelt beschäftigen möchte kann mal hier schauen (aus diesem Artikel habe ich die eben genannten Informationen), aber auch das hier ist ein guter Beitrag zu dem Thema.

Wenn man sich also dazu entscheidet dieses Spiel mit der Gesundheit, der Umwelt, und auch dem Geldbeutel nicht mehr mitzuspielen, muss man eben eine Alternative finden. Die Menstruationstasse ist da ja schon bekannt. Wenn nicht, einfach mal googeln (aber mit Ecosia!).

Ich persönlich komme mit der Menstruationstasse aber nicht so klar. Oder bin zu faul mich mit ihr anzufreunden. Es hat sich einfach nicht so richtig angefühlt. Aber wer weiß, vielleicht verliebe ich mich ja irgendwann doch noch in sie.

Ich wollte aber trotzdem von den ganzen Binden und Tampons, aber vor allem Slipeinlagen wegkommen. Und vor einer Weile kam ich dann durch YouTube auf waschbare Stoffbinden. Die Idee fand ich ganz schön cool. Aber eine Sache hat mich immer noch davon abgehalten. Und zwar das Waschen. Nicht, weil ich mein eigenes Blut ekelig finde, sondern weil ich keine Lust auf eine riesige Sauerei habe. So habe ich es mir nämlich vorgestellt. Als eine einzige Sauerei. Aber dann habe ich dieses Video gesehen, in dem gezeigt wird, wie man die Binden waschen kann (Achtung, echtes Blut ist im Spiel) (was übrigens ganz normal ist), und danach war ich irgendwie voll motiviert auf Stoffbinden umzusteigen. Sie sind ja auch viel farbenfroher und mache gute Laune 🙂

Und wer sie nicht (teuer) kaufen möchte, kann sie selber nähen. Jetzt kommt endlich die Anleitung.

Material

Was ihr braucht:

  • bunter Baumwollstoff (ich empfehle keine zu hellen Stoffe)
  • Molton (der ist schön saugfähig)
  • Druckknopf (zur Not tut’s bestimmt auch Klettverschluss)
  • Nadel und Faden, Stecknadeln, Stoffschere, Nähmaschine (im Besten Fall auch Overlock)
  • Schnittmuster (könnt ihr natürlich auch selber machen und nach euren Ansprüchen abwandeln)

Schnittmuster, Stoffbinde

Zuschnitt

Aus dem Baumwollstoff wird zwei mal das Teil mit den Flügeln zugeschnitten. Eine Nahtzugabe von ca. 0,7cm ist bereits enthalten.

Aus Molton schneidet ihr das Innenfutter zu. Je nachdem, wie stark ihr die Binde haben möchtet. Ich habe die Binden mit drei bis vier Lagen genäht, und die Slipeinlagen mit zwei bis drei Lagen.

Los geht’s

Die Moltonschichten näht ihr einmal Außenrum zusammen, dass da nichts verrutscht, am Besten mit der Overlock, sonst mit dem Zigzackstich.

Die Beiden Außenteile näht ihr ringsum rechts auf rechts zusammen. Dabei an einer Seite eine große Wendeöffnung lassen. Die Nahtzugabe zurückschneiden, alle Rundungen einzacken, die Innenecken bis kurz vor die Naht einschneiden.

Die zusammengenähten Außenteile könnt ihr jetzt wenden, alle Rundungen und Ecken schön ausarbeiten und das ganze gut bügeln.

Dann müssen die Moltonschichten reingestopft werden. Bei der Binde gibt es dabei Vorne und Hinten, darauf bitte achten! Bei der Slipeinlage ist es egal, wie rum es rein kommt. Ein bisschen Geduld braucht man schon, deshalb sollte die Wendeöffnung auch nicht zu klein sein. Achtet darauf, dass sie die Inneneinlage möglichst faltenfrei im Innern befindet, und wirklich bis ans Ende geschoben wurde.

Dann wird die Wendeöffnung per Handnaht geschlossen. Dazu beide Stofflagen nach innen klappen, mit der einen die Moltoneinlage überklappen (siehe Bild) und das ganze mit dem Matratzenstich zunähen. Falls jemand nicht weiß, wie der geht, hier ist eine Anleitung.

Dann kann das ganze abgesteppt werden um die Einlage im Innern zu fixieren. Dazu habe ich einmal ganz außenrum gesteppt, und zwei mal noch die Einlage fest, kann man ja ganz gut erkennen.

Jetzt muss nur noch der Druckknopf angebracht werden. Dazu benutzt ihr einfach euren logischen Verstand. Ich empfehle, die Binde mal Probezutragen, dann kann man ganz gut einschätzen, wie eng man den Knopf zumachen können sollte.

Und schon ist’s fertig 🙂

Also ich finde sie schon allein deswegen besser als Einwegbinden, weil sie einfach so schön bunt sind.

Maße:

große Binde: ca. 25cm lang; 6cm breit (ohne Flügel)

kleine Slipeinlage: ca. 15cm lang; 5cm breit (ohne Flügel)

Das sind natürlich meine beiden Lieblingsbinden 🙂

Da ich die Stoffbinden noch nicht testen konnte, und vor allem nicht weiß, wie eure Menstruation aussieht, kann ich euch auch nicht raten, wie viele Binden ihr braucht, und wie dick diese sein sollten. Ihr solltet aber mindestes so viele haben, dass ihr eine Menstruation damit auskommt. Ich habe jetzt mal fünf große Binden und vier kleine Slipeinlagen genäht. Die im Waschbecken ausgewaschenen Binden könnt ihr dann in einem Wäschenetz aufbewahren und sie dann alle am Ende der Menstruation in der Waschmaschine waschen. Zum Trocknen brauchen sie dann wahrscheinlich etwas länger, weil sie teilweise ja doch ganz dick sind, aber sie werden dann ja auch erst wieder in einem Monat benötigt.

Wenn ihr die Binden unterwegs wechseln müsst, wo ihr sie nicht direkt auswaschen könnt, empfehle ich euch ein „Wetbag“ dabeizuhaben, der im besten Fall nicht ganz luftdicht verschlossen ist. Die Binden sollten aber dann nicht dort vergessen werden!

Ok, mit diesem nicht sehr appetitlichen Gedanken beendige ich diesen Blogpost  🙄

Ich bin sehr gespannt, ob ich mich an die Alternative zu herkömmlichen Binden gewöhnen kann, und freue mich, wenn ihr euch auch mal Gedanken über eure monatlichen Hygieneprodukten macht.

Teilt doch gerne eure Erfahrungen rund um das Thema mit mir.

Bis demnächst,

macht’s gut,

und angenehme Menstruation wünsch‘ ich euch,

Eure Marleen

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