Allgemein,  Gedanken

wie wir innere Verletzungen heilen können

Es gibt noch so unendlich viel in mir, das nicht geheilt ist.

 

 

So unendlich weite Flächen, die unüberschaubar scheinen

und die Gabe haben, in vielen Situationen vollkommen unsichtbar zu sein

um sich dann einen Augenblick später in beängstigende Höhen vor mir aufzutürmen.

 

So unendlich weite Flächen

aus Fragen, Ungewissheit, Schmerz und Verzweiflung.

So groß, dass ich niemals jeden Zentimeter ablaufen könnte ohne mein Leben zu verlieren.

So groß, dass ich sie nur bewirtschaften kann, wenn ich sie von oben überblicke.

 

Denn diese unendlich scheinenden Flächen müssen nicht durch stärkstes Gift ausgemergelt werden,

um so den unangenehmen Schmerz zu zerstören.

Nein, diesen Flächen muss wieder die Möglichkeit gegeben werden, selbst das Unkraut in ihnen zu verwandeln.

 

Denn es sind nicht die Flächen die nach Heilung schreien.

 

Es bist du,

die danach schreit endlich ausreichend genährt zu werden,

weil auf den nährenden Flächen zu viel Unkraut wächst.

 

Doch das Unkraut ist nicht falsch.

Es ist nicht böse.

Es ist nur noch nicht verwandelt.

 

Deine verborgenen Erfahrungen, vergessenen Versprechen und tiefen Überzeugungen haben nur noch nicht gelernt wie sie dir helfen können.

Sie haben nur den falschen Dünger von dir bekommen.

 

Du dachtest, sie wären gegen dich, darum warst du gegen sie,

und gabst ihnen Gift.

 

Doch wenn du weißt, dass sie für dich sind,

gibst du ihnen dann Liebe?

 

Denn diese benötigt das vermeintliche Unkraut auf den unendlichen Flächen der Seele für seine Verwandlung.

Und gibst du sie ihm, wächst nicht nur das Gras in deiner Seele,

Nein,

auch du wächst.

 


Das Thema innere Verletzungen beschäftigt mich schon lange. Ich glaube daran, dass Erfahrungen aus der Vergangenheit, denen wir unterbewusst eine bestimmte Bedeutung gegeben haben, heute sehr oft noch Einfluss auf unser Leben nehmen.

Wenn man zum Beispiel als Kind von seinen Eltern geschlagen wurde, kann es sein, dass man es als Erwachsener sehr schwer hat Vertrauen zu nahestehenden Personen aufzubauen. Natürlich ist das nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten, wie man mit dieser Erfahrung umgehen könnte. Aber meistens ist es doch so, dass wir diese verletzende Erfahrung als negativ sehen.

Und darum geht es mir heute. Darum ging es mir auch in dem Gedicht am Anfang. Denn ich habe meine ganzen Probleme immer auf die Erfahrungen von früher geschoben. Nicht, dass ich schrecklich viele Problem hätte, aber wie gesagt, es gibt noch so unendlich viel in mir, das noch nicht geheilt ist. Aber ich erkenne, dass es in Ordnung so ist. Ich erkenne, dass ich diese Erfahrungen nicht zwingend negativ sehen muss. Ja, dass alles viel leichter wird, wenn ich sie positiv sehe.

Ich weiß nicht, welche Erfahrungen du in deinem Leben bereits gemacht hast, und welche Schlussfolgerungen du aus ihnen gezogen hast. Oft ist man sich diesen ja selbst nicht bewusst. Doch für Heilung ist dieses Bewusstsein nötig. Ich sage da nur Hypnose oder Schreiben. Sind nur zwei Möglichkeiten, um in die Seele zu sehen. Doch wenn man die Schlussfolgerungen kennt, und versteht, warum man in bestimmten Situationen auf diese bestimmte Art und Weise gehandelt hat, ist es meiner Meinung nach wichtig, die Erfahrungen aus der Vergangenheit nicht zu beschuldigen.

Denn das scheint so oft der einfachste Weg zu sein. „Ich habe eben nun mal diese schrecklichen ungerechten Dinge erlebt. Darum habe ich heute nun mal so schlechte Angewohnheiten, ist ja nicht meine Schuld“ Aber ganz ehrlich, da nimmst du dich doch nur selbst mit gefangen! Ist es nicht vollkommen bescheuert sich selbst dieses Gefängnis zu schreinern? Ist es nicht viel schlauer diese Erfahrungen als Grund zu sehen, erst recht frei zu werden? „Ich habe in meiner Vergangenheit ungerechte und verletzende Dinge erlebt. Doch sie definieren mich nicht. Sie helfen mir zu wachsen, sie helfen mir mich kennen zu lernen, sie helfen mir mich zu heilen.“ Wie möchtest du dich verhalten? Und ich weiß, die erste Möglichkeit ist so viel einfacher. Es ist viel einfacher, die Schuld bei anderen zu suchen, als sich über seine Verletzungen zu stellen, und sie dankbar in den Arm zu nehmen. Aber ich sage dir eines: die Opferhaltung wird dich niemals frei machen. Sie wird dich gefangen halten. Doch Verantwortung, Dankbarkeit und Mut, das ist es, das dich in die Freiheit führt. Auch bei dem Thema der inneren Verletzungen.

Wie macht man sich also dann frei davon und heilt sich? Meiner Meinung nach, indem man es erst gar nicht versucht.

Ich habe immer Angst dabei solche Dinge zu schreiben. Ich möchte nicht, dass Menschen mir glauben, und sich auf meine Worte verlassen. Denn ich weiß nicht, ob sie die Wahrheit sind. Woher soll ich es auch wissen? Ich weiß nur, dass es meine Wahrheit ist, sonst würde ich es hier nicht schreiben. Darum bitte ich dich, wenn du meine Worte liest, sie nicht als die Wahrheit zu sehen, der du glauben musst. Ich bitte dich, dich zu fragen, ob es auch deine Wahrheit sein könnte.

Doch ich bin der Meinung, der Versuch sich von alten Verletzungen zu heilen führt nicht in die Freiheit der Heilung, sondern in die Abhängigkeit. Und zwar, weil wir denken, dass wir geheilt werden müssen. Dass also der jetzige Zustand in dem wir uns befinden, also verletzt, nicht richtig so ist. Und wenn wir etwas für falsch halten versuchen wir dagegen anzukämpfen. Dann betrachten wir unsere inneren Verletzungen als Feind und wollen sie bekämpfen, dass wir uns endlich geheilt fühlen. Doch ist es nicht gerade dieser Kampf, der uns gefangen nimmt?

Ich weiß nicht, ob du diese Gefühle auch kennst. Aber mir geht es so, dass ich mich immer schlecht fühle und vollkommen in Selbstmitleid versinke, wenn ich spüre, dass ich gerade aus einer inneren Verletzung heraus gehandelt habe. Dann versuche ich mir zu sagen, dass es nicht stimmt, was ich damals gelernt habe, ich versuche es ganz weit von mir weg zu schieben. Aber irgendwie haftet es dadurch nur noch mehr an mir. Bis irgendwie alles sich nur noch darum dreht. Also irgendwie funktioniert es so nicht.

Ich möchte jetzt nicht sagen, dass wir unsere Probleme und vor allem die Ursachen davon ignorieren sollten, und hoffen, sie würden von alleine verschwinden. Aber was wäre, wenn wir die Sichtweise auf sie komplett verändern würden. Was wäre, wenn wir sie einfach mal feiern würden. Lasst uns feiern, dass uns Menschen verletzt haben, lasst uns feiern, dass wir schlechte Erfahrungen gemacht haben, lasst uns feiern, dass wir verletzende Gefühle fühlen mussten. Denn es ist wie es ist, ohne diese Dinge wüsstest du die Dinge nicht, die du heute weißt, du wärst nicht die, die du heute bist, aber vor allem könntest du ohne diese Erfahrungen nicht lernen, Menschen zu vergeben, Situationen zu vergeben, Dir zu vergeben. Ich glaube, wir dürfen unsere inneren Verletzungen nicht ganz weit von uns weg schieben, nein, wir müssen sie ganz nah an uns ziehen. Wir müssen sie in den Arm nehmen. Sie noch einmal vollkommen spüren und erleben. Wir müssen uns dem Schmerz stellen, und ihm das Gefühl schenken, dass er da sein darf. Dass er von uns geliebt wird. Dass er durch unsere Liebe heilen darf. Das glaube ich nicht nur, davon bin ich überzeugt. Ich bin überzeugt davon, dass unser tiefster Schmerz unser Freund ist und uns niemals etwas Böses will. Darum lasst uns aufhören ihn für etwas Böses zu halten und ihn zu verteufeln.

Lasst uns dankbar dafür sein, dass wir kein leichtes Leben haben.

Lasst uns dankbar dafür sein, dass wir gestolpert sind, dann gefallen, und dafür ausgelacht wurden.

Lasst uns dankbar dafür sein, dass Menschen uns unsere Größe ausredeten, und wir ihnen geglaubt haben.

Lasst uns dankbar dafür sein, dass wir schon tausendmal scheiterten und dann den Mut verloren.

Lasst uns dankbar dafür sein, dass wir verglichen wurden und immer den Kürzeren zogen.

Lasst uns dankbar dafür sein, dass es das Leben uns nicht leicht gemacht hat.

Wenn wir für all‘ das dankbar sind,

spüren wir, wie leicht unser Leben in Wahrheit ist.

 

Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag

und freue mich über eure Gedanken zu dem Thema,

eure Marleen

 

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